Outdoorbekleidung zeichnet sich heutzutage bereits in vielen kleinen Details aus, angefangen vom jeweiligen Schnitt, der Verarbeitung, der jeweiligen Features wie z.B. Unterarmreissverschlüsse oder auch durch die jeweils in den Produkten verwendeten Technologien.

Man selbst ist immer fasziniert wie sich im Laufe der letzten Jahrzehnte die Outdoorbekleidung bzw. Ausrüstung verbessert hat. Entweder sind die Sachen heutzutage viel leichter oder viel robuster geworden. Im Bereich der Atmungsaktivität hat sich dort auch einiges getan, denn die Hardshells von heute sind weit atmungsaktiver geworden.

Die ispo 2011 bot nun wieder einmal die Vorlage für einen allgemeinen Materialtest. Allgemein deshalb, weil nicht das Produkt in Form von Design, Farbe usw. getestet werden sollte, sondern die Membran, die darin verwendet wurde.  Leser von Outdoormagazinen oder z.B. Besucher unserer Seiten im OutdoorBlogNews Netzwerk wissen natürlich direkt, dass es sich um das neue Gore-Tex® Active Shell Laminat handelt. Bereits auf der ispo stellten viele Outdoormarken ihre Active Shell Modelle vor und wenn man sich folgende Liste anschaut, dann ist kaum noch eine bedeutende Marke im Running/Outdoor Bereich übrig, die noch keine Active Shell Produkte vorgestellt haben bzw. noch vorstellen werden.

Outdoor:

Adidas, Arc’teryx, Berghaus, Haglöfs, Mammut, Millet, Montura, Mountain Equipment, Norröna, Peak Performance, Scott, The North Face, Tilak, Trangoworld.

Running/Cycling:

Adidas, Castelli, Löffler, Specialized, GORE BIKE WEAR, GORE RUNNING WEAR.

Trend zu Speed und Minimalismus

Zeit ist heute eines der kostbarsten Güter. Deshalb wollen auch Outdoorsportler diese möglichst effektiv und intensiv nutzen und werden dabei immer schneller und athletischer. Vom Bergwandern zum Berglaufen/Trailrunning, vom Klettern zum Speedklettern, von der Tagestour zur schnellen Feierabendskitour, von der sechstägigen zur viertägigen Haute Route-Begehung, von der Transalp zur Speed-Transalp usw. Mit der steigenden Athletik outdoors ändern sich auch die Ansprüche an die Bekleidung. Immer stärker gefragt sind sehr leichte, minimalistische Outfits – jedes Gramm zählt – in sportivem Look mit möglichst hoher Funktion. Die gibt es jetzt vom amerikanischen Funktionsspezialisten W.L. Gore auf ganz neuem Niveau.

1. Eindruck

In erster Linie schaut man auf Bildern meist immer erst auf die Optik von Produkten. Bei diesem Artikel sollten eher die technischen Details interessant sein, denn die Jacke ist ein sog. Seeding-Garment. Unser Testobjekt wurde von Gore speziell für Testzwecke hergestellt (um einen Eindruck vom neuen Active Shell-Laminat zu bekommen).  Die Testjacke wurde also nicht von einem Markenpartner konfektioniert und wird dementsprechend so nicht in den Handel kommen. Finale Styles der einzelnen Markenpartner wie wir sie oben schon aufgeführt haben, wurden auf der ispo vorgestellt und natürlich wird dort dann auch nicht auf dem Ärmel überdimensional die Membran präsentiert. Als weitere Veränderung zu unserem Seeding Garment bietet Adidas oder Norröna die Jacke mit Kapuze an – die einzelnen Styles, Farben, Schnitte, etc. hängen dann jeweils auch vom Markenpartner ab.Wer also bei unserer Testjacke eine Tasche, Kapuze oder dergleichen vermisst, der wird so etwas bei den Markenpartnern mit Sicherheit finden.

Interessant ist aber so ein Seeding Garment trotzdem, da man nun den Fokus auf das neue Laminat, die Funktionalität und auf die neue Technologie legen kann und so schon mal beurteilen kann, ob die neue Technologie ein Schritt nach vorn oder doch eher zurück ist.

Laminat

Mit dem GORE-TEX® Active Shell Laminat liegt vor uns eine Membran, die in jede bislang dargebotenen Sortimentsschublade passt und sich wohlmöglich hausintern selber Konkurrenz machen könnte. Warum dieser Eindruck entsteht ist leicht erklärt, denn wir haben mit der Active Shell

  • eine 3-lagige Membran,
  • durch eine neue Laminats-Technologie auch sehr atmungsaktive dazu und am Schluss
  • auch wieder eine Membran, die das Endgewicht entscheidend nach unten drücken könnte.

Wo ist oder wäre da die trennbare Konkurrenz? Im 3-lagigen Bereich wäre man bei der bewährten Gore-Tex ProShell, im Bereich atmungsaktive Outdoorbekleidung im Segment der Gore-Tex Windstopper Softshell und im Punkt der Leichtigkeit hatte Paclite schon den Rang zum Teil an die neue GoreTex ProShell Jacken verloren und nun vielleicht auch an die Jacken mit Gore-Tex Active Shell?

Aus Konsumentensicht wäre nun ein Traum in Erfüllung gegangen, denn nachfolgend zeigen wir, dass man für seine Outdooraktivitäten eigentlich nur noch ein Produkt haben müsste, das alles abdeckt. In den Worten von Gore: „…eine ultimative 3-Lagen Lösung.

Haptik

In den Ohren liegen noch die Worte der vorherigen Generationen, die Regenjacken gern als Mülltüten auf der Haut bezeichnet haben. Künstlich und gummihaft wirkende Stoffe, die nicht geraden Komfort an Regentagen beschert haben. Mit Blick auf die vergangenen Jahre hat sich in diesem Bereich einiges getan und auch wieder bei der neuen Gore-Tex Active Shell zu Veränderungen geführt. Bei der neuen Technologie wird auf der Futterseite durch eine neuartige, bisher einzigartige Laminationstechnologie die textile Abseite jetzt erstmals direkt in die GORE-TEX® Membrane integriert. Auswirkungen hat dies auf die extreme Atmungsaktivität (RET<3) und beeinflusst noch einmal den Next-To-Skin-Komfort. Verglichen zum Beispiel mit dem Tragegefühl einer Softshell fühlt sich die Jacke auf der Haut genauso weich und dehnbar an.

Gewicht

Speed ist in der Regel auch immer damit verknüpft, dass man mit einer minimalen Anzahl an Ausrüstung, die zugleich nur ein Federgewicht haben darf, unterwegs ist. Nun kann man sich theoretisch darauf ausruhen, dass man ein Produkt geschaffen hätte, das gleich mehrere Produkte in sich vereint und dadurch schon das Rucksackgewicht minimiert. Nimmt man die Testjacke in den Händen ist aber auch schon der erste Eindruck gewonnen, dass das Packmaß und auch das Gewicht der späteren Jacken nicht sehr groß sein dürften. Zitieren wir nun wieder die Daten von Gore, so wären noch mal niedrigere Werte realisierbar, als man sie jetzt schon von den ProShell Modellen kennt:

Angeboten werden für hochaktive Segmente wie Running, Bike oder Training Polyesterwaren mit Strickoberfläche (Jackengewicht < 300 Gramm), für den Bereich Alpine Ascent gewebte Nylonshells (Jackengewicht < 400 Gramm).

Unser Modell wog in der Damengröße M ohne Kapuze gerade einmal 209 g. In einem Modell mit Kapuze dürfte die Jacke nur unwesentlich mehr wiegen. Innentasche und Kordelzug im Saum waren z.B. auch schon vorhanden, sofern die Grammjäger fragen sollten.

Testreihe

Hardshells müssen nahezu allen Widrigkeiten in der Natur trotzen können. Wenn es auf Tour regnet, beim Trail-Running der Wind um die Ohren bläst oder am Berg Schnee fällt, muss man sich auf seine Outdoorbekleidung verlassen können.

Interessant sind daher natürlich Tests bei Regen und Wind. Das Wetter ist zum Glück recht abwechselnd gewesen, so dass man auch ohne Globetrotter Regenkammer, Labortests, etc. pp. die Outdoorjacke testen konnte.

Wasser und Windtest

Wie für eine Gore-Tex Membran eigentlich selbstverständlich hält es Regen stand und sorgt für ein trockenes Wohlgefühl im Innern der Jacke. Ein Blick auf die Membranaußenseite macht auch deutlich wie gut die Jacke wasserdicht ist. Hierbei meinen wir weniger die Wassersäule, sondern der Abperleffekt der Jacke. Die Regentropfen sind auf der waagerechten Oberfläche nahezu in Kugelform, was wiederum bedeutet, dass der Regen oder Schnee bei Bewegung nicht hängen bleibt und abperlt.

Wieviel Wind die Jacke ausgehalten hat, kann man leider nicht so schön veranschaulichen, aber auch hier ist die Hardshell mit guten Windbreaker-Werten.

Atmungsaktivität bei Belastung

Gore gelang es [nämlich], die für Outdoor-Speedsportler wichtigsten funktionellen Eigenschaften wie extrem hohe Atmungsaktivität und geringes Gewicht mit Komfort durch garantiert dauerhaften Wetterschutz zu vereinen. ….

Belastung ist bei so einer Membran nicht das relaxte Gehen auf Ausflügen, sondern eher das flotte Radfahren, Trail-Running oder lange Laufen in der Jacke, mit anderen Worten überall dort wo der Körper „schwitzt“. In den bereits erwähnten Jacken der vorherigen Generationen hatte man meist mit Kondensfeuchtigkeit zu kämpfen, die bei jeder neuen Membran merklich weniger wurde. So eine Membran wie das Gore-Tex® Active Shell Laminat ist in der Form aufgebaut, dass der Schweiß sehr schnell von der Haut weg und als Wasserdampf durch das Textil nach außen abgeleitet werden soll.

Auch bei der Gore-Tex Active Shell konnten die subjektiven Eindrücke im Vergleich zu den Vorgängern verbessert werden. Prinzipiell muss man sich aber auch immer vor Augen führen, das physikalische Gesetze immer bestehen bleiben. Entscheidene Faktoren wie z.B. die Temperatur haben immer noch Einfluss darauf, wie gut der Wasserdampf nach außen abgeleitet wird bzw. wie sehr sich die Kondensfeuchtigkeit in Grenzen hält. Unterm Strich war die  subjektive Wahrnehmung aber durchaus positiv und sogar positiver, als man es bislang gewohnt war. Wenn man es nicht genauer wüßte, dann hätte man auch denken können, man hätte eher eine Softshell an, als eine Hardshell.

Ebenfalls subjektiv und nun mal nicht wissenschaftlich verglichen, wäre dieses Empfinden nahezu dem gleich, was man auch schon bei der Columbia Peak 2 Peak wahrgenommen hat. Die Membran bei der Columbia Jacke war das auf der OutDoor 2010 vorgestellte Omni-Dry.

Fazit

Mit dem Active Shell Laminat präsentiert Gore-Tex ein richtiges Allroundprodukt. Es fühlt sich auf der Haut angenehm an und lässt den Eindruck gar nicht erst aufkommen, man hätte eine Regenjacke an. Im eigentlichen Hardshellgebiet trotzt sie „Wind und Wetter“ in der Weise, dass man sich sicherlich auch nach langen verregneten Etappen darin nicht durchnässt fühlen wird.

Durch das geringe Gewicht, welches theoretisch bei den Produkten möglich wäre, bietet es sich  nicht nur für „Speed“-Aktivitäten an, sondern auch überall dort, wo man entweder auf das Gewicht oder auf das Packmaß achten muss.

Unser Fazit lautet daher, es lohnt sich auf die Active Shell Produkte zu freuen.

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3 Responses

  1. Marcel

    Ein weiterer schöner Testbericht zum neuen Active Shell. Mir kam es auch gar nicht vo wie eine Regenjacke, sondern ich hatte eher das Gefühl ein Softshell zu tragen, mit dem vorteil des eindeutig besseren Wetterschutzes.

    Da bin ich wirklich gespannt, wass dann im Winter so alles auf den Markt kommt; allerdings auch, ob sich die neue Membran im Langzeitgebrauch ebenfalls gut schlagen wird.

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