Nachdem ich in den letzten 12 Monaten meist Artikel für diverse Seiten geschrieben habe, soll es hier nun auch mal etwas ausführlicher in  Form von Ratgeber werden. Beginnen will ich mal bei einem Überblick über Zelte, wo es ja eine große Auswahl gibt und man als Laie meist sich auf das verlassen muss, was einem der Verkäufer empfiehlt.

Die Frage, die man sich selber erst einmal stellen sollte ist die, wofür brauche ich ein Zelt?

Es gibt weit mehr Einsatzmöglichkeiten für ein Zelt, als es tatsächlich Zelte gibt und wenn man sich das Angebot eben dieser Behausungen anschaut, dann ist das schon eine große Anzahl.

So gibt es z.B. den einfachen Camper, der bevorzugt im Familienzelt auf Campingplätzen in Mecklenburg-Vorpommern seine Urlaube verbringt oder eben der Extrembergsteiger, der ein äußerst windstabiles Zelt braucht. Beide Personen haben ihre unterschiedlichen Touren und lediglich eins gemeinsam, sie wollen nachts in einem Zelt schlafen.

Während ein Expeditionszelt sicherlich noch als Campingzelt brauchbar wäre, so ist ein Campingzelt vollkommen überfordert, wenn es Hochalpin wird.

Nun habe ich schon zwei Zeltklassen genannt, zum einen das Campingzelt und das Expeditionszelt. Startet man ein typisches Brainstorming, so fallen einem eventuell noch  folgende Begriffe ein: Firstzelt, Tunnelzelt, Kuppelzelt, Geodät, Semi-Geodät, Ultralight-Zelt, Tourenzelt, usw. Die Klassifizierungen sind auch hier wieder zahlreich und werden immer mal wieder um einige Wortschöpfungen ergänzt.

Beginnen wir mal im ersten Teil des Zeltratgeber mit den Formen der Zelte, die am häufigsten anzutreffen sind:

1. Firstzelt

Das Firstzelt ist wohl das bekannteste, einfachste und sicherlich auch älteste Zelt. Im Querschnitt ähnelt es einem „A“. Man sieht auf dem ersten Blick, warum es das wohl älteste Zelt ist, denn die Bauform ist sehr simpel und ließ sich auch ohne großen Konstruktionsaufwand aufstellen.

Bei Y-Reisen gibt es so z.B. die „Dackelgarage“. Diese besteht aus zwei Zeltbahnen, die in der Mitte zusammengeknöpft werden und mit zwei Stangen in der Mitte aufgerichtet werden. Das wohl einfachste Firstzelt im Shop-Angebot kommt aus dem Ultralight Bereich und zwar ist es das Golite Shangri La 1. Auch hier wieder das gleiche simple Aufbauen mit großer Zeltbahn und zwei Trekkingstöcken, die man unter die Zeltbahn schiebt und  dann aufrichtet.  Vergleicht man Firstzelte mit anderen Bautypen, so sind diese meist die billigsten Zelte.

Betrachtet man die Firstzelte im Windkanal, so sieht man, dass die Zelte an Windstabilität verlieren, desto höher das Zelt selber ist und die Breite abnimmt. Mit anderen Worten, desto spitzer das „A“ umso windanfälliger steht das Zelt.

Firstzelte brauchen einige Heringe um stabil zu stehen. Man ist also auf Tour auf Heringsfreundlichen Boden, auf Steine oder andere belastende Gegenstände angewiesen.

2. Tunnelzelte

Bei Tunnelzelte ist das Gestänge nicht direkt im Zelt, sondern im gebogenen Zustand am Rand des Außenzelts angebracht. Hierbei gibt es verschiedene Bauweisen, denn es gibt Tunnelzelte, bei denen ist das Gestänge  eingefädelt am Innenzelt, aber auch welche, die außen direkt mit der Außenwand verbunden sind.  Gemeinsam haben beide Möglichkeiten aber, dass das Zelt die gebogene Form des Gestänge annimmt.

Je nach Zeltlänge kann das Tunnelzelt ein Gestänge haben oder auch mal bei Tunnelzelten mit großer Apsis drei und noch mehr.

Wie ich schon angesprochen habe, gibt es verschiedene Möglichkeiten das Gestänge und das Zelt zu verbinden. Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile auf die ich kurz eingehen will.

a) Gestänge wird am Innenzelt eingefädelt:

Wenn das Gestänge am Innenzelt in Schlaufen eingefädelt wird, bietet sich die Möglichkeit das Zelt ohne das Außenzelt zu nutzen. Es lässt sich in einer lauen Sommernacht ohne Gestänge als Moskitoschutz nutzen, hat aber wiederum den Nachteil bei Regen, dass man erst das Innenzelt ausbreiten muss, das Gestänge einfädelt und dann das Außenzelt drüber wirft und mit dem Innenzelt/Gestänge verbindet.

Bei starkem Regen wäre in dem Fall das Innenzelt durchnässt und die Stimmung während einer Tour sicherlich auf dem Tiefpunkt. Klassiche Beispiel ist das Lightwave t2, wo das Innenzelt separat aufgebaut werden kann.

b) Gestänge wird mit dem Außenzelt verbunden:

Bei der Außenzeltmethode gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen gibt es wie beim Innenzelt die Einfädel-, aber auch eine Clip-Methode, wie sie z.B.  Vaude bei einigen Zelte verwendet.

Erfahrungen haben wir mit beiden Möglichkeiten zahlreich sammeln können. Wer jedoch beide Zeltarten mal aufgebaut hat und sei es nur in einem Laden, wird feststellen, dass die Clip Methode die komfortabelste und schnellste Aufbauform ist.

Grundsätzlich bietet das Verbundensein mit dem Außenzelt den Vorteil, dass das Innenzelt meist direkt schon im Außenzelt hängen bleibt und man so das Zelt schneller stehen hat. Hierbei sei zu betonen, dass das Innenzelt dadurch auch trocken bleibt, denn das wasserdichte Außenzelt liegt die ganze Zeit schützend auf dem Innenzelt.

Unser Fazit:

Je nach Reiseziel, sonnig und warmes Mittelmeer oder nasskaltes Nordeuropa , würde ich zwischen den beiden Tunnelzeltarten wählen. Prinzipiell reicht auch eine kleine Regenpause aus, um das Innenzelt aufzubauen bzw. man könnte das Außenzelt beim Aufbau über das Innenzelt wie eine Plane ausbreiten. Es schadet grundsätzlich nicht, wenn man den Auf- und Abbau öfters mal übt.

Für mich steht da eher der Punkt Schnelligkeit im Vordergrund und da bietet die Außenzeltvariante eben den Vorteil, dass man das Zelt schneller aufgebaut bekommt.

Schaut man sich im Querschnitt die beiden angesprochenen Zeltformen an, so fällt auf, dass das Tunnelzelt im Vergleich zum Firstzelt eine größere Raumausnutzung hat.  Auch an den Seiten sind noch komfortable Höhen zu erreichen, wodurch schon deutlich wird, dass im Verhältnis Raum zu Gewicht, die Tunnelzelte besser dastehen, als Firstzelte.

3. Kuppelzelte

Bei Kuppelzelte spielt auch wieder das Gestänge eine große Rolle. Während beim Tunnelzelt das Gestänge lediglich einen Bogen bildet und parallel zueinander steht, kreuzt sich das Gestänge beim Kuppelzelt. Man unterscheidet hierbei zwischen einmal kreuzen, welches das klassische Kuppelzelt darstellt und eben mehrfach gekreuzte, wobei nun das Kuppelzelt die Bezeichnung Geodät erhält.

Bei Geodäten erreicht das Zelt durch das mehrfache Kreuzen der Gestänge eine bessere Stabilität. Gerade auf Expeditionen oder generell bei Reisezielen, wo man sehr viel und sehr starken Wind erwartet, sind Geodäten von den bisherigen Zeltformen die beste Zeltwahl. Klassisches Beispiel für ein Geodät ist das Wechsel Forum 42.

Ebenfalls von Vorteil ist auch, dass der Schnee auf den Bögen nicht liegen bleibt.

Nun auch hier zu den Vor- und Nachteilen eines Kuppelzelt.

Der Vorteil ist hierbei ohne Zweifel die Stabilität, die sich in Richtung Geodät noch steigern lässt. Durch die sich kreuzenden Gestänge und sei es auch nur einmal, sind die Zelte selbststehend. Gerade in den Schären, wo man seine Heringe nicht überall in den Boden bekommt, sind solche Zelte von Vorteil.

Während die Stabilität der Vorteil ist, wäre es aber beim Blick auf das Gewicht auch der Nachteil des Zelt. In der Regel sind Kuppelzelte schwerer als Tunnelzelte. Wer also eher nicht nach Patagonien reist oder weiß, dass sein Untergrund in der Urlaubsregion Heringe & Co zulässt, der könnte auf so ein Zelt verzichten.

4. Tipi oder Pyramidenzelt

Als Kinder träumte man davon, Cowboy und Indianer zu spielen. Aus Skandinavien, wie z.B. von Bergans, aber auch von der Ultralight Firma Golite, gibt es Tipis, die für Touren tauglich sind und noch dazu erschwinglich sind.

Die Bauform ist recht simpel. Da hätten wir wie beim Firstzelt ein A, nur eben keins in einer Richtung, sondern direkt in fünf oder mehr Richtungen. Mit anderen Worten, wir haben eine Spitze in der Mitte und mindestens vier Dreiecke, die von der Spitze zum Boden gehen.

In der Zeltmitte hat man eine komfortable Höhe, die jedoch kleiner wird, desto mehr man sich zum Zeltrand begibt. Die Zelte sollen ebenfalls gut im Wind stehen, haben aber den Nachteil, dass sie viele Heringe brauchen, über die man das Zelt spannen kann.

Ein weiterer Nachteil ist hierbei auch die fehlende Apsis. Nehmen wir auch hier wieder den Regen, der auf einem hinab plätschert. Bei einem Tipi wird der große Eingang geöffnet, wodurch sich die Öffnung einige dm in Richtung Zeltmitte begibt und dort der Regen hinein kommt. Auf dem Zeltboden selber befindet sich schon die Bodenwanne oder das Innenzelt.  Eine Apsis z.B. beim Tunnelzelt bietet einen vom Innenzelt abgegrenzten Bereich, wo man sich von seinen Schuhen und dreckiger Ausrüstung befreien könnte, während das Innenzelt selber trocken und sauber bleibt. Das Tipi bietet so eine Fläche leider nicht, was bei Regen ein Nachteil wäre.

Nicht selten greift man dann zu „Make You Own Gear“, wo das Innenzelt nach seinen Vorlieben verkleinert oder neukonstruiert wird. Wir selber haben dies auch bei unserem Golite Shangri La 3 vor.

Zwei weitere Teile zum Thema „Zelt“ folgen in den nächsten Stunden/Tagen…

Eine große Auswahl an Zelte findet Ihr z.B. online bei

Bergfreunde

Bergzeit

Globetrotter

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